Ein Stromausfall fängt unspektakulär an. Das Licht geht aus, der Kühlschrank verstummt, und für einen Moment ist es sehr still. Die meisten Ausfälle in Deutschland sind nach einer knappen Stunde vorbei. Die Frage ist, was du in der Zwischenzeit tust und was du in den ersten zwölf Stunden besser nicht tust, denn die ersten Entscheidungen bestimmen, ob am Ende nur eine Nacht ohne Fernsehen steht oder eine aufgetaute Gefriertruhe und ein Zimmerbrand.
Die ersten fünfzehn Minuten: liegt es an mir oder am Netz?
Bevor irgendetwas anderes passiert, klärst du eine einzige Frage: eigene Anlage oder Versorgungsnetz. Der Unterschied entscheidet über alles Weitere.
- Sicherungskasten ansehen. Ist ein Leitungsschutzschalter gefallen oder der FI-Schalter herausgesprungen, liegt es an dir. Zieh die Stecker der Geräte, die gerade liefen, und leg den Schalter wieder um. Fällt er sofort wieder, bleibt er unten und der Elektriker wird gerufen.
- Aus dem Fenster schauen. Straßenlaternen, Nachbarhäuser, die Ampel an der Kreuzung. Dunkel überall bedeutet Netzausfall.
- Bei den Nachbarn klopfen. Die Klingel ist ohne Strom tot. Klopfen klärt die Frage in zehn Sekunden und ist zugleich die erste Gelegenheit zu sehen, wer im Haus allein, alt oder auf ein Gerät angewiesen ist. Und wenn jemand im Aufzug steckt, dann jetzt.
- Netzbetreiber anrufen, nicht die 112. Die Störungsnummer steht auf der Stromrechnung. Sie gehört auf einen Zettel an den Sicherungskasten, nicht nur ins Handy: Ein leerer Akku zeigt keine Fotos. Die 112 ist für Notfälle da, nicht für Störungsmeldungen, und ist bei Flächenausfällen ohnehin überlastet.
Der Grund für den ersten Handgriff steht meist erst am nächsten Morgen fest: Wenn der Strom nachts unbemerkt zurückkommt, läuft eine eingeschaltete Herdplatte unter einem Topf, der längst leergekocht ist. Deshalb gehen Herd, Backofen, Bügeleisen und Heizlüfter aus, bevor irgendetwas anderes passiert. Eine Lampe darf angeschaltet bleiben: sie ist die Rückmeldung, dass der Strom wieder da ist.
Wie lange hält die Kälte im Kühlschrank?
Die wichtigste Regel steht in einem Satz: Tür zu. Ein geschlossener Kühlschrank hält die Lebensmittel etwa vier Stunden ausreichend kalt, eine gefüllte Gefriertruhe je nach Bauart und Füllgrad bis zu zwei Tage. Jedes Öffnen kostet einen erheblichen Teil davon. Wer alle zwanzig Minuten nachsieht, ob es drinnen noch kalt ist, sorgt zuverlässig dafür, dass es das nicht bleibt.
| Gerät | Hält ungefähr | Zu beachten |
|---|---|---|
| Kühlschrank, geschlossen | 4 Stunden | Danach steigt die Temperatur schnell. Was raus muss, kommt zuerst auf den Tisch. |
| Gefriertruhe, voll | bis 48 Stunden | Voll ist besser als halbvoll. Lücken mit Wasserflaschen füllen: gefroren halten sie die Kälte deutlich länger. |
| Gefrierfach im Kühlschrank | wenige Stunden | Kleines Volumen, kaum Masse. Als Erstes betroffen, oft schon vor dem Kühlteil darunter. |
| Kühlbox mit Kühlakkus | 12 bis 24 Stunden | Die Reserve für Insulin und andere kühlpflichtige Medikamente. |
Beim Wiederanlaufen gilt: Was noch Eiskristalle hat oder durchgehend unter vier Grad Celsius geblieben ist, darf zurück ins Gefriergerät. Was aufgetaut, aber durchgehend kühl geblieben ist, wird durchgegart und gegessen. Was länger als zwei Stunden warm lag, gehört weg, und zwar auch dann, wenn es noch gut riecht: Erhitzen tötet die Keime, aber nicht die Giftstoffe, die sie bis dahin gebildet haben. Hackfleisch, Geflügel, Fisch und Speisen mit rohem Ei sind die heiklen Posten, nicht das Brot und nicht das Gemüse.
Praktisch heißt das für den ersten Abend: gekocht wird, was ohnehin auftaut, und der Notvorrat im Regal bleibt unangetastet. Er ist für Tag drei da, nicht für Stunde eins.
Licht: warum die Kerze die schlechteste Wahl ist
Kerzen sind die romantischste und zugleich die gefährlichste Antwort auf einen Stromausfall. Die Feuerwehren melden nach jedem größeren Ausfall Wohnungsbrände, und die Ursache ist fast immer dieselbe: offene Flamme neben Vorhang oder Papier, in Reichweite von Kindern, in einer Wohnung, in der niemand mehr sieht, was umkippt. Wer Kerzen nutzt, stellt sie auf eine feste Unterlage, nie auf ein Regal unter etwas Brennbarem, und löscht sie beim Verlassen des Raumes.
Besser ist elektrisches Licht, und zwar in dieser Reihenfolge:
- Stirnlampe pro Person. Die einzige Lichtquelle, die die Hände frei lässt. Wer im Dunkeln eine Treppe hinuntergeht, einen Sicherungskasten sucht oder ein Kind wickelt, merkt den Unterschied sofort.
- Eine Campingleuchte je Raum, die nach oben abstrahlt. Sie füllt den ganzen Raum mit Licht, statt nur einen Kegel an die Wand zu werfen.
- Die Handytaschenlampe als Notbehelf, nicht als Plan. Sie frisst genau den Akku, den du später zum Telefonieren brauchst.
Batterien gehören zur Lampe, nicht in eine Schublade drei Zimmer weiter. Einmal im Jahr prüfen, was noch Saft hat, und was auszulaufen droht, kommt sofort raus. Ein Gerät mit Kurbel oder kleinem Solarfeld ist das, was übrig bleibt, wenn die Batterien vor dem Ausfall aufgeben.
Wann das Handynetz mit ausfällt
Das Mobilfunknetz überlebt einen Stromausfall nicht lange. Die Basisstationen haben Notstrombatterien, aber deren Laufzeit liegt je nach Standort meist zwischen einer halben Stunde und wenigen Stunden. Wenn im Umkreis die Masten nacheinander aufgeben, ist das Handy ein Fotoapparat mit Taschenlampe. Das ist der Grund, warum Warn-Apps und Cell Broadcast im längeren Ausfall nichts mehr nützen und ein Radio schon: Das eine braucht ein Netz, das andere nicht.
Was daraus folgt:
- Sofort telefonieren, solange es geht. Die wichtigen Anrufe (Angehörige, Pflegedienst, Arbeitgeber) gehören in die erste Stunde, nicht in die vierte. Kurze Nachrichten kommen bei überlastetem Netz eher durch als Gespräche.
- Flugmodus spart Akku. Ein Handy, das verzweifelt nach einem verschwundenen Netz sucht, ist in wenigen Stunden leer. Feste Zeiten verabreden, zu denen alle den Flugmodus ausschalten, ist ein alter Trick und immer noch der beste.
- Radio ist die Rückfallebene. Ein batterie- oder kurbelbetriebenes UKW-Radio empfängt, solange irgendein Sender sendet, und die Sender haben Notstrom. Das Autoradio tut es auch. Aber nie mit laufendem Motor in der geschlossenen Garage, und nicht so lange, dass hinterher die Autobatterie leer ist.
- DECT-Telefon und Router sind tot. Das Festnetz läuft heute über den Router. Ohne Strom kein Internet, kein WLAN, keine Türsprechanlage und in vielen Häusern auch kein elektrischer Türöffner.
Der Notruf 112 funktioniert, solange irgendein Netz erreichbar ist; Handys wählen dafür jedes verfügbare Netz, nicht nur das eigene.
Heizung, Warmwasser und Wasser fallen mit aus
Fast jede moderne Heizung braucht Strom, auch die mit Gas oder Öl: für Steuerung, Pumpe und Gebläse. Fällt der Strom, wird es in der Wohnung langsam kalt, im Sommer unbemerkt, im Januar innerhalb eines Tages spürbar. Die Antwort darauf ist nicht der Gasheizer im Wohnzimmer (Kohlenmonoxid ist geruchlos und tötet im Schlaf), sondern ein Raum statt einer Wohnung: Türen zu, Decken und Schlafsäcke, alle zusammen in den kleinsten Raum, Vorhänge nachts zu und tagsüber auf.
Wasser kann ebenfalls ausfallen. Die Wasserwerke selbst haben in der Regel Notstrom, die Druckerhöhungspumpe im Hochhaus meist nicht. Ab dem dritten, vierten Stock kommt dann nichts mehr aus der Leitung. Wenn der Strom weg ist und noch Wasser läuft, hast du ein Zeitfenster, das niemand ansagt: Badewanne voll, Kanister voll, jeder Topf voll, in dieser Reihenfolge. Wie viel Wasser ein Haushalt insgesamt braucht und worin man es dauerhaft lagert, steht im Beitrag zum Wasservorrat.
Was vorher bereitliegen muss
Nichts auf dieser Liste ist teuer, und keiner der Punkte lässt sich abends im Dunkeln nachholen.
| Was | Warum |
|---|---|
| Stirnlampe je Person, Ersatzbatterien | Hände frei, sofort nutzbar, kein Brandrisiko. |
| UKW-Radio mit Batterie oder Kurbel | Die einzige Informationsquelle ohne Netz. |
| Geladene Powerbank, Ladekabel dabei | Verlängert die Laufzeit des Handys um ein bis zwei Tage. |
| Bargeld in kleinen Scheinen | Kartenzahlung und Geldautomat fallen zuerst aus. |
| Vorrat, der ohne Kochen essbar ist | Der Elektroherd ist aus, der Wasserkocher auch. |
| Zwei Tage Wasser griffbereit in der Wohnung | Pumpen im Haus stehen still. Der Zehn-Tage-Vorrat steht im Keller und nützt oben nichts. |
| Störungsnummer und Notfallkontakte auf Papier | Ein leeres Handy kennt keine Telefonnummern. |
| Medikamente und ihre Kühlung geklärt | Insulin und Ähnliches brauchen eine Kühlbox mit Akkus. |
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Was hier tatsächlich im Schrank liegt
Die Tabelle nennt Kategorien, und Kategorien kauft niemand. Deshalb die drei Geräte, die bei mir seit Jahren bereitliegen, jeweils mit dem, was daran nervt. Es sind bewusst keine teuren Spezialgeräte: Der Unterschied zwischen „nichts" und „irgendetwas Brauchbares" ist groß, der zwischen „brauchbar" und „perfekt" ist es nicht.
- Ein Kurbelradio, das gleichzeitig Lampe und Powerbank ist. Ich habe ein Gerät mit Kurbel, kleinem Solarfeld, eingebautem Akku und LED-Leuchte. Ehrlich zur Kurbel: Eine Minute Kurbeln bringt ein paar Minuten Radio, das ist die Notreserve und nicht die Stromversorgung. Der eingebaute Akku ist der eigentliche Nutzen, das Solarfeld lädt langsam nach, und der Kompass am Gehäuse ist Dekoration. Entscheidend ist, dass das Ding UKW empfängt, ohne dass irgendetwas anderes im Haus funktioniert.
- Eine große Powerbank für die Handys. Bei mir eine Anker 325 mit 20.000 mAh, die mehrere Handyladungen hergibt. Sie ist kein Leichtgewicht und für den Rucksack fast zu groß, aber sie liegt ohnehin zu Hause. Wichtig ist nicht das Modell, sondern die Gewohnheit: Sie wird alle paar Monate nachgeladen, sonst ist sie im Ernstfall bei dreißig Prozent.
- Batterien als Vorratspackung, nicht als Blister. Bei mir eine Großpackung Alkaline in AA. Der Grund ist unspektakulär: Einzelne Blister sind immer genau dann leer, wenn man sie braucht. Alkaline hält im Schrank viele Jahre, deshalb ist der Vorrat billiger als die Vergesslichkeit. Vorher nachsehen, welche Größe deine Lampen und dein Radio brauchen; AAA ist genauso oft die Antwort.
Was hier fehlt und trotzdem oben auf der Liste steht: eine Stirnlampe pro Person. Da habe ich noch keine, hinter der ich stehen würde, und eine Empfehlung ohne eigenen Gebrauch gibt es hier nicht.
Wie Keepilo dabei hilft
Das Unangenehme an einem Stromausfall ist, dass er genau die Geräte abschaltet, auf denen die Vorsorge liegt: das Handy mit den Notizen, den Rechner mit der Liste, das Internet mit der Anleitung. Keepilo ist dafür gebaut, offline zu funktionieren. Der Notfallbereich liegt auf dem Gerät: Notfallkontakte, Medizinkarten der Haushaltsmitglieder, Verhaltenshinweise und die Notfallkarten als PDF, die man einmal ausdruckt und ins Portemonnaie steckt.
Der KI-Assistent antwortet ebenfalls ohne Internet, weil das Sprachmodell und die Dokumente auf dem Gerät liegen. Wer um halb elf abends wissen will, wie lange Hackfleisch aus der auftauenden Truhe noch brauchbar ist, bekommt eine Antwort mit Buch und Seite dazu, ohne Netz, ohne Konto.
Und der Vorrat selbst steht im Inventar, mit Reichweite in Tagen statt Bauchgefühl.
Wenn du nach diesem Text eine Sache tust: leg eine Stirnlampe und ein Radio mit Batterien an einen Platz, den du blind findest. Alles andere darf warten.