Wasser ist der Posten, den beim Vorrat fast jeder unterschätzt. Er ist der schwerste und der sperrigste, und ohne ihn wird es nach drei Tagen lebensbedrohlich, egal wie voll das Regal mit Konserven steht. Hier steht, wie viel Wasser dein Haushalt wirklich braucht, worin du es lagerst und was du tust, wenn der Vorrat zur Neige geht. Einen Wasservorrat anlegen ist keine Wissenschaft, aber es ist mehr nötig als ein Kasten hinter dem Sofa.
Wie viel Wasser braucht ein Mensch pro Tag?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) rechnet mit zwei Litern pro Person und Tag. Darin stecken etwa anderthalb Liter zum Trinken und ein halber Liter zum Kochen: der Reis, die Nudeln, die Trockensuppe, der Kaffee. Getränke zählen mit, also auch Saft, Tee und Milch aus der Packung.
Zwei Liter sind eine Planungsgröße für einen Erwachsenen, der sich wenig bewegt, bei normaler Zimmertemperatur. Sie sind kein Maximalwert und kein Naturgesetz. Der Bedarf steigt bei Hitze, bei körperlicher Arbeit, bei Fieber und Durchfall, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. Wer im August einen Keller leerräumt, trinkt nicht zwei Liter, sondern vier. Die einfachste Faustregel für einen Haushalt: eine Person mehr einplanen, als tatsächlich da ist.
Nicht enthalten ist alles, was mit Waschen, Spülen und Toilette zu tun hat. Das ist der zweite, größere Block, und für ihn braucht es keine Trinkwasserqualität. Dazu weiter unten mehr.
Wie viel Wasser braucht eine Familie für zehn Tage?
Zehn Tage sind der amtliche Richtwert für den Vorrat, viele Haushalte zielen inzwischen auf 14 oder 21 Tage. Die Rechnung ist Personen mal Tage mal zwei Liter:
| Haushalt | 10 Tage | 14 Tage | 21 Tage |
|---|---|---|---|
| 1 Person | 20 Liter | 28 Liter | 42 Liter |
| 2 Personen | 40 Liter | 56 Liter | 84 Liter |
| 3 Personen | 60 Liter | 84 Liter | 126 Liter |
| 4 Personen | 80 Liter | 112 Liter | 168 Liter |
Ein Liter Wasser wiegt ein Kilo. Achtzig Liter für eine vierköpfige Familie sind also achtzig Kilo, ungefähr sieben Kästen, ein voller Kofferraum und ein Regalboden, der das aushalten muss. Dieses Gewicht ist der Grund, warum der Wasservorrat so oft auf „mache ich nächste Woche" verschoben wird, und zugleich der Grund, in Etappen anzufangen: erst der Wochenvorrat, dann zehn Tage, dann der Rest. Ein halber Vorrat im Keller ist mehr wert als ein ganzer auf dem Zettel.
Flaschen oder Kanister: worin lagert man Wasser?
| Behälter | Taugt für | Zu beachten |
|---|---|---|
| Glasflasche im Kasten | den Kern des Vorrats | Bleibt am längsten dicht und geschmacksneutral, ist aber schwer und zerbricht. |
| PET-Kasten aus dem Handel | schnell viel Volumen | Leicht und billig, nimmt aber mit den Jahren Geschmack an, öfter rotieren. |
| Kanister 10 Liter | Umfüllen, Transport, Notlage | Lebensmittelecht (HDPE) muss draufstehen. Zehn Kilo trägt man noch. |
| Kanister 20 Liter | stehende Reserve im Keller | Voll kaum zu tragen. Nur dort, wo er stehen bleibt. |
| Faltkanister, Badewannensack | den Ereignisfall | Leer platzsparend, wird erst bei Warnung gefüllt. Keine Dauerlagerung. |
Nicht geeignet sind ausgespülte Milch-, Saft- und Limonadenflaschen. Zuckerreste und Eiweiß bleiben in Gewinde und Verschluss zurück und sind für Keime der ideale Nährboden. Ebenso ungeeignet sind Kanister, die vorher Benzin, Reiniger oder Frostschutz enthalten haben; der Kunststoff gibt das nie vollständig wieder her.
Wo und wie lagert man den Wasservorrat richtig?
- Dunkel und kühl. Licht und Wärme lassen Algen wachsen und beschleunigen die Alterung des Kunststoffs. Keller, Abstellraum, Garage im Winter. Nicht das Fensterbrett und nicht der Balkon.
- Nicht direkt auf den Betonboden. Ein Brett oder eine Palette darunter, dann wandern weder Feuchtigkeit noch Gerüche aus dem Boden in die Flaschen. Aus demselben Grund gehört Wasser nicht neben Farbe, Lack, Benzin oder Waschmittel: PET ist nicht geruchsdicht.
- Originalverschlossen lassen. Eine ungeöffnete Flasche Mineralwasser ist praktisch unbegrenzt haltbar. Das Mindesthaltbarkeitsdatum beschreibt die Verpackung, nicht das Wasser. Für geöffnete Flaschen gilt dieselbe Regel wie im Alltag: innerhalb weniger Tage austrinken, kühl stellen, und nicht aus der Flasche trinken und sie danach tagelang stehen lassen.
- Rotieren statt einlagern. Wie beim Essen gilt „erstes rein, erstes raus": Der Vorrat wird im Alltag mitgetrunken und beim normalen Einkauf nachgefüllt. PET einmal im Jahr durchtauschen, Glas darf länger stehen. Wer nichts rotiert, hat in fünf Jahren achtzig Liter, die nach Flasche schmecken.
- Gewicht bedenken. Achtzig Liter auf einem Billigregal sind achtzig Kilo auf vier dünnen Blechfüßen. Unten lagern, breit verteilen und im Zweifel den Boden nehmen.
Darf man Leitungswasser auf Vorrat abfüllen?
Als Dauervorrat: nein. Deutsches Leitungswasser ist hervorragend, aber es ist nicht steril. Im Kanister, bei Zimmertemperatur, ohne Chlor und mit etwas Licht vermehren sich Keime innerhalb weniger Tage. Selbst abgefülltes Wasser hält in einem sauberen Gefäß, kühl und dunkel gelagert, wenige Tage bis Wochen, nicht Jahre. Wer wirklich selbst abfüllen will, kocht das Gefäß aus, füllt es randvoll und tauscht das Wasser regelmäßig. Der Aufwand lohnt selten gegenüber einem Kasten Mineralwasser.
Als Reaktion auf eine Warnung: unbedingt. Wenn ein Sturm angekündigt ist, ein Abkochgebot durchgegeben wird oder der Strom flackert, ist der Moment gekommen, alles zu füllen, was sauber ist: Kanister, Töpfe, Karaffen, Eimer und die Badewanne. Das Badewannenwasser taugt für Toilette und Wäsche, zum Trinken nur dann, wenn ein Badewannensack darin liegt. Ein Warmwasserspeicher im Keller ist zusätzlich eine Reserve von achtzig bis zweihundert Litern, an die kaum jemand denkt: vor dem Ablassen Heizung oder Strom abschalten, und das Wasser vor dem Trinken abkochen. Ein Durchlauferhitzer speichert dagegen nichts.
Was tun, wenn der Wasservorrat zur Neige geht?
Der Vorrat ist die erste Ebene, die Aufbereitung die zweite. Sie ersetzt ihn nicht, sie verlängert ihn.
- Abkochen ist der Standard. Sprudelnd aufkochen und einige Minuten kochen lassen (die Gesundheitsämter nennen bei einem Abkochgebot meist drei Minuten). Das tötet Bakterien, Viren und Parasiten zuverlässig. Chemische Belastungen, Nitrat oder Schwermetalle bekommt man damit nicht heraus; sie reichern sich sogar an, wenn Wasser verdampft.
- Entkeimungstabletten auf Chlor- oder Silberbasis sind leicht, lange haltbar und arbeiten ohne Brennstoff. Einwirkzeit einhalten, den Geschmack in Kauf nehmen.
- Filter kennen ihre Grenze. Ein Hohlfaserfilter hält Bakterien und Parasiten zurück, Viren aber nicht sicher. Aktivkohle verbessert Geschmack und bindet manche Chemie, entkeimt jedoch nicht. Für trübes Oberflächenwasser gilt: erst absetzen lassen und durch ein Tuch vorfiltern, dann filtern, dann abkochen oder Tabletten einsetzen.
- Regenwasser ist für Toilette und Wäsche sofort brauchbar, als Trinkwasser erst nach Aufbereitung. Die erste Spülung, die den Staub vom Dach wäscht, gehört nicht in den Kanister.
Der zweite, oft übersehene Verbraucher ist die Hygiene. Zähneputzen, Katzenwäsche, Geschirr und Toilettenspülung summieren sich auch bei größter Sparsamkeit auf mehrere Liter pro Person und Tag. Dafür reicht Nutzwasser: Badewanne, Regentonne, der Kanister aus dem Baumarkt. Ein Toilettenbeutelsystem spart hier mehr Wasser als jede andere Einzelmaßnahme.
Wie behalte ich den Überblick über den Wasservorrat?
Zwei Liter mal Personen mal Tage klingt nach Kopfrechnen, bis der Haushalt aus zwei Erwachsenen, einem Kleinkind, einer Schwangeren und einem Hund besteht und die Hälfte des Vorrats im Keller steht, die andere hinter dem Sofa. Genau an dieser Stelle setzt Keepilo an: Der Haushalt ist mit Jahrgang und Geschlecht hinterlegt, daraus ergibt sich der Tagesbedarf an Wasser, und zusammen mit dem Bestand entsteht eine einzige ehrliche Zahl, nämlich die Reichweite in Tagen.
Wasser bekommt im Inventar eine eigene Kategorie mit eigenen Inventarnummern. Wasserfilter und Entkeimungstabletten sind Spezialartikel: Ihre Kapazität in Litern zählt als potenzielles Trinkwasser mit. Was fehlt, schreibt die App als Einkaufsliste auf. Das alles läuft offline auf dem Gerät, ohne Konto und ohne Cloud, was praktisch ist, wenn genau die Lage eintritt, für die man den Vorrat angelegt hat.
Wenn du gerade erst anfängst, ist der Notvorrat für zehn Tage der richtige nächste Schritt: dieselbe Rechnung, nur für das Essen. Und wenn du heute nur eine Sache tust, dann kauf den Kasten Wasser, den du seit drei Wochen kaufen willst, und trag ihn in den Keller.