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Notvorrat für 10 Tage: was auf die Einkaufsliste gehört

· von Andreas Schneider

Zehn Tage ohne Einkaufen überstehen: das ist die Größenordnung, die der deutsche Bevölkerungsschutz empfiehlt. Die gute Nachricht: Der Vorrat dafür passt in zwei Umzugskartons und kostet keine Ausrüstung, nur einen geplanten Einkauf. Hier steht, was hineingehört, mit den amtlichen Mengen und den Fehlern, die fast jeder beim ersten Mal macht.

Warum ausgerechnet zehn Tage?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt einen Lebensmittel- und Getränkevorrat für etwa zehn Tage. Die Zahl kommt nicht aus einem Weltuntergangsszenario, sondern aus der Erfahrung mit ganz gewöhnlichen Lagen: Hochwasser, ein großflächiger Stromausfall, eine Sturmwoche, in der der Landkreis nicht durchkommt. In den ersten Tagen einer solchen Lage sind Behörden und Helfer mit den schwersten Schadensstellen beschäftigt. Wer sich selbst versorgen kann, ist in dieser Zeit kein zusätzlicher Notfall.

Zehn Tage sind ein Richtwert, kein Dogma. Wer im Überschwemmungsgebiet wohnt oder auf Medikamente angewiesen ist, plant eher länger. Wichtiger als die exakte Zahl ist, dass du überhaupt eine hast und den Bestand dagegen prüfst.

Wie viel empfiehlt die amtliche Vorratstabelle pro Person?

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) pflegt auf ernaehrungsvorsorge.de eine Vorratstabelle für zehn Tage, gerechnet mit rund 2.200 Kilokalorien pro Tag. Das deckt den Bedarf der meisten Erwachsenen. Die Mengen pro Person, gerundet:

GruppeMenge für 10 TageBeispiele, lange haltbar
Getränke20 LiterMineralwasser, Saft. Trinken und Kochen zusammen.
Getreide, Brot, Kartoffeln3,5 kgReis, Nudeln, Haferflocken, Knäckebrot, Kartoffelpüreepulver
Gemüse, Hülsenfrüchte4,0 kgDosengemüse zählt voll, Linsen, Bohnen, Sauerkraut
Obst, Nüsse2,5 kgDosenobst, Trockenfrüchte, Nussmischungen, Apfelmus
Milch, Milchprodukte2,6 kgH-Milch, Hartkäse, Milchpulver
Fisch, Fleisch, Eier1,5 kgThunfisch- und Fleischkonserven, Volleipulver
Fette, Ölerund 0,4 kgPflanzenöl, Butterschmalz

Dazu kommt, was die Tabelle „nach Belieben" nennt und was den Unterschied zwischen Überleben und Alltag macht: Zucker, Honig, Salz, Kaffee oder Tee, Schokolade, Brühwürfel, und die Gewürze, mit denen deine Küche schmeckt wie sonst auch.

Wie viel Wasser gehört in den Notvorrat?

Zwei Liter pro Person und Tag sind die Rechengröße, davon geht etwa ein halber Liter ins Kochen. Kaffee, Tee und Saft zählen mit. Für vier Personen und zehn Tage sind das 80 Liter, und das ist der Posten, den die meisten unterschätzen: Er ist der schwerste, der sperrigste, und im Ernstfall der erste, der fehlt.

Ein paar Dinge, die beim Lagern helfen:

  • Originalverpackt lagern. Mineralwasser in der verschlossenen Flasche ist praktisch unbegrenzt haltbar; das Mindesthaltbarkeitsdatum beschreibt die Verpackung, nicht das Wasser. Glas hält länger dicht als PET, PET-Flaschen geben mit den Jahren Geschmack ab und sollten öfter rotiert werden.
  • Dunkel, kühl, nicht auf dem Betonboden. Ein Brett unter den Kisten verhindert, dass Weichmacher und Gerüche aus dem Boden in die Flaschen wandern.
  • Leitungswasser erst im Ereignisfall abfüllen. Bei einer Warnung Badewanne und saubere Kanister füllen, das verlängert den Vorrat um Tage. Auf Vorrat abgefülltes Leitungswasser kippt dagegen ohne Aufbereitung nach wenigen Tagen.
  • Aufbereitung als Rückfallebene. Ein Wasserfilter oder Entkeimungstabletten machen im Zweifel auch Regen- oder Bachwasser nutzbar. Das ersetzt den Vorrat nicht, es verlängert ihn.

Was ist mit Kindern, Schwangeren, Allergien und Haustieren?

Die Tabelle rechnet mit einem durchschnittlichen Erwachsenen, ein Haushalt besteht selten nur aus solchen.

  • Kinder brauchen weniger Kalorien, aber vertraute Lebensmittel. Eine Krise ist kein guter Moment, um ein Kind an Linseneintopf zu gewöhnen. Lieber das bevorraten, was ohnehin gegessen wird, plus etwas Trost: Kakao, Kekse, das Lieblingsmus.
  • Schwangere und Stillende liegen deutlich über dem Durchschnittsbedarf, bei Kalorien und vor allem beim Wasser. Eine Person mehr einplanen ist die einfachste Faustregel.
  • Allergien und Unverträglichkeiten müssen im Vorrat abgebildet sein, gerade weil es im Ernstfall kein Ausweichen gibt. Ein glutenfreier Haushalt braucht einen glutenfreien Vorrat, und die Nachbarschaftshilfe kann das nicht leisten.
  • Haustiere stehen in keiner Kalorientabelle, aber vor derselben leeren Schüssel: Futter und Wasser für zehn Tage mitrechnen, dazu Medikamente, wenn das Tier welche braucht.
  • Dauermedikation ist der Sonderfall mit der längsten Vorlaufzeit, weil ein Rezept dazwischenliegt. Reichweite pro Person ausrechnen und mit der Praxis sprechen, bevor es eng wird.

Was sind die häufigsten Fehler beim Notvorrat?

  • Nur Nudeln. Fünf Kilo Pasta fühlen sich nach Vorrat an, sind aber eine einzige Lebensmittelgruppe. Ohne Gemüse, Obst und Eiweiß wird aus zehn Tagen Vorrat eine einseitige Woche mit schlechter Laune. Die Gruppen der Tabelle sind der Punkt, nicht die Kalorien allein.
  • Lagern, was man nicht isst. Der Vorrat ist kein Museum. Kaufe nur, was deine Familie ohnehin isst, und iss den Vorrat im Alltag mit: das Älteste zuerst, Nachschub beim normalen Einkauf. So läuft nichts ab, und im Ernstfall gibt es Essen, das alle kennen.
  • Das MHD dem Zufall überlassen. Wer nicht aufschreibt, was wann abläuft, entdeckt die 2019er-Dosen beim Umzug. Eine Liste an der Kellertür reicht. Eine App, die von selbst warnt, ist bequemer, aber das Prinzip zählt: Was niemand notiert, läuft ab.
  • Medikamente vergessen. In vielen Haushalten ist der Medikamentenvorrat kürzer als der Lebensmittelvorrat, siehe oben, und niemand merkt es, weil ihn niemand ausrechnet.
  • Kein Dosenöffner, kein Kocher. Ein Vorrat aus Konserven braucht einen manuellen Dosenöffner, und bei Stromausfall eine Möglichkeit, Wasser heiß zu machen: Campingkocher mit Kartuschen, Fondue-Rechaud, notfalls der Grill auf dem Balkon, aber nie Holzkohle in der Wohnung.

Wie bleibt der Vorrat frisch, ohne dass etwas abläuft?

Der Trick heißt rollierender Vorrat: Du lagerst keine Sonderration für den Ernstfall, sondern vergrößerst deinen normalen Haushalt um zehn Tage Puffer. Verbraucht wird immer das mit dem kürzesten Datum, gekauft wird nach, was verbraucht wurde. First expired, first out sagen Lageristen dazu. So altert nichts, und der Vorrat kostet auf Dauer nur den einmaligen Erstkauf.

Keepilo-Inventar auf dem Handy: Vorrat nach Kategorien mit Ampel je Artikel, Inventarnummern, Mindesthaltbarkeitsdaten und Lagerorten.
Dasselbe Prinzip als App: Chargen, Ablaufdaten und eine Ampel je Artikel

Genau diese Rechnerei übernimmt Keepilo, wenn du sie nicht auf Papier führen willst: Die App kennt deinen Haushalt, rechnet aus Alter und Geschlecht den Bedarf, vergleicht ihn mit dem Bestand und schreibt die Lücke als Einkaufsliste mit konkreten Produkten nach eben dieser BMEL-Tabelle. Das Mindesthaltbarkeitsdatum überwacht sie nebenbei, komplett offline. Aber ob mit App oder Zettel: Fang mit einem Einkauf an. Zwei Kartons, ein Nachmittag, und die nächste Sturmwarnung ist eine Wettermeldung statt einer Bedrohung.

Quellen

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