Notvorrat und Notgepäck sind zwei verschiedene Dinge, und sie werden ständig verwechselt. Der Vorrat ist dafür da, dass du zu Hause bleiben kannst. Das Notgepäck ist dafür da, dass du in zwanzig Minuten aus dem Haus kommst. Das eine steht im Keller und wiegt achtzig Kilo, das andere steht neben der Wohnungstür und darf nicht mehr wiegen, als du eine Stunde weit tragen kannst.
Wann braucht man ein Notgepäck wirklich?
Nicht im Weltuntergang, sondern an einem gewöhnlichen Dienstag. Die realistischen Gründe, in Deutschland das Haus kurzfristig verlassen zu müssen, sind seit Jahren dieselben: eine Bombenentschärfung im Wohngebiet (in Städten wie Köln, Hannover oder Frankfurt mehrmals im Jahr, einzelne davon mit Zehntausenden Betroffenen), ein Gasaustritt, ein Wohnungsbrand im Haus, eine Hochwasserlage, ein Chemieunfall, ein Sturmschaden am Dach.
Geplante Entschärfungen kündigt die Stadt Tage vorher an; dort ist genug Zeit. Bei allem anderen bleiben zwanzig Minuten bis zwei Stunden, und niemand kommt an diesem Tag noch einmal zurück, um etwas zu holen. Was dann zählt, ist nicht die Ausrüstung, sondern die Zeit, die du nicht mit Suchen verbringst. Genau dafür ist ein gepackter Rucksack da.
Die Liste des BBK, sortiert nach dem, was zuerst wehtut
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) führt im Ratgeber für Notfallvorsorge eine Notgepäck-Liste. Sie ist gut, aber sie ist eine Aufzählung ohne Rangfolge, und im Alltagstest scheitert sie genau daran: Wer die BBK-Liste von oben nach unten abarbeitet, packt Isomatte und Zahnbürste ein, bevor er an die Dokumente denkt. Hier steht sie deshalb nach Dringlichkeit sortiert, denn wer beim Packen bei Punkt vier aufhört, soll die vier wichtigsten Punkte gepackt haben.
| Rang | Was | Warum an dieser Stelle |
|---|---|---|
| 1 | Dokumentenmappe, Bargeld in kleinen Scheinen | Nicht ersetzbar, fast gewichtslos. Ohne Papiere dauert alles Weitere Wochen. |
| 2 | Medikamente, Medikamentenplan, kleines Erste-Hilfe-Set, Ersatzbrille | Dauermedikation bekommt man in einer Notunterkunft nicht ohne Weiteres. |
| 3 | Handy, Ladekabel, geladene Powerbank | Kontakt zur Familie, Warnmeldungen, Bezahlen. |
| 4 | Ein Liter Trinkwasser, Faltflasche, Entkeimungstabletten, Riegel und Nüsse für zwei Tage | Wasser ist der schwerste Posten: wenig tragen, dafür unterwegs nachfüllen können. |
| 5 | Wetterfeste Jacke, feste Schuhe, Wechselwäsche, warme Schicht | Draußen stehen und warten ist der wahrscheinlichste Teil einer Evakuierung. |
| 6 | Stirnlampe mit Ersatzbatterien | Hände frei, kein Brandrisiko, funktioniert auch im Treppenhaus ohne Strom. |
| 7 | Schlafsack oder Decke, dünne Isomatte | Turnhallenboden ist hart und kalt, Decken sind dort schnell alle. |
| 8 | Hygiene: Zahnbürste, Seife, Handtuch, Toilettenpapier, Feuchttücher, Müllbeutel | Wenig Gewicht, viel Würde. |
| 9 | Batterie- oder Kurbelradio | Die Informationsquelle, wenn das Handynetz überlastet ist. |
| 10 | Taschenmesser, Becher, Löffel, Klebeband, Kabelbinder | Die Kleinigkeiten, deren Fehlen am meisten nervt. |
Punkt eins hat einen eigenen Beitrag verdient, weil man ihn überhaupt nicht nachkaufen kann, sondern nur neu beantragen: Was in die Notfallmappe gehört, steht dort im Detail. Der Rucksack braucht nur die Mappe selbst oder eine Kopie davon, ganz oben, unter der Deckelklappe.
Das Gewicht ist die eigentliche Schwierigkeit
Jede Notgepäck-Liste im Internet lässt sich vollständig packen. Das Ergebnis wiegt dann fünfundzwanzig Kilo, steht im Flur und wird im Ernstfall stehen gelassen, weil niemand es die Treppe hinunterträgt. Ein Notgepäck, das man nicht trägt, ist kein Notgepäck, sondern ein Möbelstück.
Als Faustregel: etwa zehn Kilo für einen durchschnittlichen Erwachsenen, weniger bei Rücken- oder Knieproblemen, spürbar weniger für Kinder. Wer unsicher ist, packt den Rucksack und geht damit einmal um den Block und einmal das Treppenhaus hoch. Das dauert zehn Minuten und beantwortet die Frage endgültig.
Was Gewicht spart, ohne etwas zu verlieren:
- Wasser dosieren, nicht stapeln. Ein Liter pro Person im Rucksack, dazu eine Faltflasche und Entkeimungstabletten. Vier Liter zu tragen ist der Anfängerfehler, den man nach dem ersten Kilometer bereut. Wie viel Wasser dein Haushalt insgesamt braucht, steht im Beitrag zum Wasservorrat.
- Verpflegung ohne Kochen. Riegel, Nüsse, Trockenfrüchte, Kekse. Konserven sind schwer, brauchen einen Öffner und meist einen Kocher. Der Kocher gehört in den Vorrat zu Hause, nicht in den Rucksack.
- Kleidung in Schichten statt in Mengen. Eine dünne Daunen- oder Kunstfaserjacke ersetzt drei Pullover bei einem Bruchteil von Gewicht und Volumen. Fleece wärmt gut, spart aber weder das eine noch das andere.
- Auf die Familie verteilen. Vier Rucksäcke mit je sieben Kilo sind leichter zu bewegen als einer mit achtundzwanzig. Jeder trägt seine eigene Kleidung und sein eigenes Wasser.
Kinder, ältere Angehörige, Haustiere
Kinder tragen ab etwa vier Jahren einen eigenen kleinen Rucksack, und der wichtigste Gegenstand darin ist kein Ausrüstungsstück: ein Kuscheltier, ein Buch, ein Kartenspiel. Eine Evakuierung ist für ein Kind vor allem Warten in einer fremden Halle mit lauten Erwachsenen. Dazu ein Zettel in der Jackentasche mit Namen und Elternnummern, handschriftlich groß genug, dass ihn ein Fremder im Halbdunkel lesen kann. Für Säuglinge gilt: Nahrung, Windeln und Wechselkleidung für zwei Tage. Dieses Gewicht ist nicht verhandelbar, also tragen es die Erwachsenen.
Bei älteren oder pflegebedürftigen Angehörigen entscheidet die Vorbereitung, nicht die Ausrüstung: Medikamentenplan, Hilfsmittel (Hörgerätebatterien, Ersatzbrille, Gehstock), Kontaktdaten des Pflegedienstes. Und die Frage, wer die Angehörigen im Ernstfall abholt, ist vorher zu klären, nicht am Tag selbst.
Haustiere brauchen Transportbox oder Leine mit Geschirr, Futter und Wasser für zwei Tage, einen Napf, den Impfpass und die Chipnummer. Notunterkünfte nehmen Tiere nicht selbstverständlich auf; ein Plan B bei Freunden außerhalb des betroffenen Gebiets erspart die schlimmste Entscheidung des Tages.
Was man getrost weglässt
Der Markt für Vorsorgeausrüstung lebt von einer Tatsache: Ausrüstung verkauft sich besser als Vorbereitung. Nicht in den Rucksack müssen: Machete und Beil (in einer Turnhalle unbrauchbar und rechtlich heikel), taktische Westen, Gasmasken (ohne Passform, Filterwahl und Übung wirkungslos), Fünf-Liter-Wasserkanister, Konserven samt Dosenöffner, ein Zelt, ein Generator. Ebenso wenig ein Vorrat für zwei Wochen: das ist der Vorrat zu Hause, und der bleibt zu Hause.
Was auf den meisten Listen fehlt und trotzdem regelmäßig gebraucht wird: Ohrstöpsel und Schlafmaske für die Nacht in der Halle, ein Kugelschreiber und Papier, eine gedruckte Liste der wichtigsten Telefonnummern. Die Müllbeutel aus Punkt acht sind übrigens Regenschutz und Sitzunterlage zugleich.
Wohin damit, und wie oft prüfen
Der Rucksack steht in Türnähe, nicht im Keller und nicht auf dem Dachboden. Jeder im Haushalt muss ihn im Dunkeln finden. Einmal im Jahr wird er ausgeräumt: Batterien tauschen, Riegel und Wasser ersetzen, Medikamente auf Verfallsdatum prüfen, Kleidergrößen der Kinder anpassen. Der gleiche Termin wie beim Rauchmelder oder der Zeitumstellung funktioniert gut, weil man ihn sich nicht extra merken muss.
Die Packliste zum Abhaken
Eine Liste auf Papier ist gut, bis sie zwei Jahre alt ist und niemand mehr weiß, ob die Haken noch stimmen. In Keepilo liegt die Notgepäck-Checkliste im Notfallbereich: sechsundzwanzig Punkte nach den Empfehlungen des BBK, in eigenen Worten formuliert, pro Person abhakbar. Wer vier Rucksäcke packt, sieht auf einen Blick, welcher noch nicht fertig ist.
Der Stand fließt in den Bereitschafts-Score ein, zusammen mit Vorrat und Wasser, so dass ein halb gepackter Rucksack nicht monatelang unbemerkt bleibt. Die Notfallkarten im Scheckkartenformat druckt die App als PDF. Alles liegt auf dem Gerät und funktioniert ohne Netz, was praktisch ist, wenn du gerade mit dem Rucksack im Treppenhaus stehst.
Nimm eine alte Sporttasche, pack die Punkte eins bis vier hinein und stell sie neben die Wohnungstür. Der Rest wächst von selbst dazu.