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Kurbelradio und Notbeleuchtung: was im Stromausfall taugt

· von Andreas Schneider

Wenn der Strom weg ist, fehlen zwei Dinge sofort: Information und Licht. Beides ist billig zu haben, und beides wird trotzdem oft falsch gekauft. Ein Weltempfänger mit zwölf Wellenbereichen hilft in Deutschland niemandem, und eine Taschenlampe mit angeblich hunderttausend Lumen leuchtet zwanzig Minuten, dann ist der Abend dunkel. Hier steht, worauf es bei Radio, Licht und Batterien wirklich ankommt, und was davon bei mir seit Jahren im Schrank liegt.

Warum Radio, und warum ausgerechnet UKW

Im Stromausfall kippt das Mobilfunknetz nach wenigen Stunden, weil die Notstromversorgung der Sendemasten begrenzt ist; der Beitrag zu den ersten zwölf Stunden ohne Strom beschreibt den Ablauf. Danach bleibt der Rundfunk. Die Behörden speisen ihre Warnungen über das Modulare Warnsystem des Bundes direkt in die Sender ein, und die großen UKW-Sendeanlagen laufen mit Notstrom weiter. Das Radio ist deshalb nicht die gemütlichste, sondern die letzte Informationsquelle, die noch funktioniert.

Wichtig ist der Wellenbereich. UKW ist Pflicht, weil dort die regionalen öffentlich-rechtlichen Programme senden, die im Ernstfall die Lageinformation für deinen Landkreis bringen. DAB+ ist eine schöne Ergänzung, braucht aber deutlich mehr Strom und ist in manchen Gegenden dünner versorgt. Mittelwelle und Kurzwelle spielen in Deutschland keine Rolle mehr; wer sie im Prospekt hervorhebt, verkauft dir ein Reisegerät für andere Kontinente.

Was ein Kurbelradio wirklich kann

Ein Kurbelradio ist im Kern ein UKW-Radio mit drei Stromquellen: ein eingebauter Akku, den du vorher per USB lädst, eine Handkurbel und ein kleines Solarfeld. Dazu meist eine LED-Leuchte. Über die Kurbel gibt es viel Werbung und wenig ehrliche Zahlen, deshalb hier die Reihenfolge, wie sie in der Praxis aussieht:

  • Der Akku ist der eigentliche Nutzen. Voll geladen läuft das Radio damit viele Stunden. Die Pflege besteht darin, das Gerät alle paar Monate an den Strom zu hängen. Ein Kurbelradio, das seit drei Jahren ungeladen im Schrank liegt, startet mit leerem Akku.
  • Die Kurbel ist die Notreserve. Eine Minute Kurbeln bringt ein paar Minuten Radio bei kleiner Lautstärke. Das reicht für die Nachrichten zur vollen Stunde und ist genau dafür gedacht. Ein Handy über die Kurbel zu laden funktioniert auf dem Papier; in Wirklichkeit bringt eine Viertelstunde Kurbeln ein oder zwei Prozent Ladung, und der Arm ist vorher müde.
  • Das Solarfeld lädt langsam. Ein Tag auf der Fensterbank ersetzt keine Steckdose, hält aber einen halbvollen Akku über Wochen halbvoll. Mehr sollte man nicht erwarten.
  • Die eingebaute Powerbank ist klein. Fünftausend Milliamperestunden auf der Packung sind in der Praxis etwa eine halbe Handyladung. Für das Handy ist eine echte Powerbank zuständig, das Radio ist nur die Reserve für die Reserve.

Worauf du beim Kauf achten solltest: UKW-Empfang, alle drei Stromquellen, ein Batteriefach für normale AA-Zellen als vierten Weg, eine Kopfhörerbuchse (spart Strom und nachts die Nerven der anderen) und ein Gehäuse, das einen Sturz vom Küchentisch übersteht. Was du nicht brauchst: SOS-Sirene, Kompass am Gehäuse, Bluetooth, einen Lampenmodus mit Stroboskop. Die Geräte kosten alle ungefähr dasselbe; die Unterschiede liegen im Empfang und in der Verarbeitung, nicht in der Länge der Ausstattungsliste.

Licht: die Rangfolge

Die Kerze steht bei den meisten ganz oben auf der Liste und gehört ganz nach unten. Nicht, weil sie schlecht leuchtet, sondern weil eine offene Flamme im dunklen Haus mit gestressten Menschen und Kindern die häufigste Brandursache im Stromausfall ist. Die Feuerwehren warnen davor bei jedem größeren Ausfall. Die sinnvolle Reihenfolge sieht so aus:

LichtquelleWofürWorauf achten
Stirnlampe, eine pro PersonAlles, wobei die Hände frei sein müssen: kochen, Sicherungskasten, Keller, Kinder anziehen.100 bis 300 Lumen genügen. Wichtiger als Helligkeit ist die Laufzeit auf kleiner Stufe, und eine rote Stufe schont nachts die Augen.
LED-LaterneRaumlicht für den einen Raum, in dem sich alle aufhalten.Dimmbar, Batterien in derselben Größe wie die Lampen. Aufhängen können ist praktischer als aufstellen.
TaschenlampeDer Blick nach draußen, der Weg zum Nachbarn.Eine solide Lampe mit AA-Batterien schlägt jedes Gadget mit Spezialakku, der ohne Strom nicht nachladbar ist.
KerzenReserve, wenn alles andere leer ist.Nur im geschlossenen Windlicht, nie unbeaufsichtigt, nie im Schlafzimmer. Teelichter sind Licht, keine Heizung.

Ein Tipp aus der Praxis: Alle Lampen im Haus sollten dieselbe Batteriegröße nutzen. Sonst hast du am zweiten Abend vierzig AA-Zellen im Schrank und eine Laterne, die AAA will.

Batterien: eine Strategie, keine Marke

Batterien sind der unspektakulärste und wichtigste Teil dieser Ausrüstung. Drei Regeln reichen:

  • Eine Größe für alles. AA ist die verbreitetste, und du bekommst sie in jeder Tankstelle. Beim Kauf von Radio und Lampen darauf achten und Geräte mit anderer Größe meiden.
  • Alkaline als Vorrat, nicht als Blister. Alkaline-Zellen halten ungeöffnet um die zehn Jahre. Eine Großpackung von vierzig Stück ist billiger als das Vergessen, und sie liegt im Schrank, statt in der Fernbedienung zu stecken. Aus Geräten, die monatelang nicht laufen, nimmst du die Batterien heraus, sonst laufen sie aus.
  • Akkus nur, wenn du sie laden kannst. Wiederaufladbare Zellen sind im Alltag besser, brauchen aber ein Ladegerät und damit Strom. Für den Vorrat sind Alkaline die richtige Wahl; Lithium-AA lohnt sich nur für Geräte, die im Winter draußen liegen.

Wie viele? Rechne die Fächer zusammen: Radio, zwei Stirnlampen, Laterne, Taschenlampe. Das sind meist zehn bis vierzehn Zellen für einen Satz, und zwei bis drei Sätze sollten es sein. Vierzig Stück sind für einen Haushalt daher keine Übertreibung.

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Was hier tatsächlich im Einsatz ist

Kategorien kauft niemand, deshalb die Geräte, die bei mir seit Jahren bereitliegen. Es sind bewusst keine teuren Spezialgeräte. Der Unterschied zwischen „nichts" und „etwas Brauchbares" ist groß, der zwischen „brauchbar" und „perfekt" ist es nicht.

  • Ein Kurbelradio mit Solarfeld, Akku und LED-Leuchte. Bei mir ein Gerät mit Kurbel, Solarfeld, eingebautem Akku und Lampe. Der UKW-Empfang ist gut, die Kurbel ist laut und langsam, das Solarfeld ist klein, und der Kompass am Gehäuse ist Dekoration. Was zählt: Es empfängt UKW, ohne dass irgendetwas anderes im Haus funktioniert.
  • Batterien als Vorratspackung. Bei mir eine Großpackung Alkaline in AA. Vorher nachsehen, welche Größe deine Lampen brauchen; AAA ist genauso oft die Antwort.
  • Eine große Powerbank für das Handy. Bei mir eine Anker 325 mit 20.000 mAh. Sie gehört eigentlich in den Notstrom-Beitrag, steht hier aber, weil sie die Aufgabe übernimmt, die man dem Kurbelradio fälschlich zuschreibt: das Handy laden.

Was hier fehlt und trotzdem ganz oben in der Tabelle steht: die Stirnlampe. Da habe ich noch keine, hinter der ich stehen würde, und eine Empfehlung ohne eigenen Gebrauch gibt es hier nicht. Kauf eine im mittleren Preisbereich mit AA- oder AAA-Batterien und roter Stufe; mehr Auswahlhilfe wäre erfunden.

Was du nicht brauchst

Taschenlampen mit Lumenzahlen, die nur im Impulsbetrieb erreicht werden. Taktische Lampen mit Angriffskrone am Kopf. Zehn-in-eins-Werkzeuge mit eingebautem Radio, Kompass, Feuerstahl und Pfeife, die alles ein bisschen und nichts richtig können. Einen Weltempfänger. Und einen Kerzenvorrat als Hauptlichtquelle. Das Geld ist in einer zweiten Stirnlampe und einer Packung Batterien besser angelegt.

Und wo das in Keepilo steht

Radio, Lampen und Batterien gehören ins Inventar wie der Reis: mit Stückzahl, Lagerort und beim Akku einem Erinnerungsdatum fürs Nachladen. Der Notfall-Bereich hält dazu die Checkliste, die im Ernstfall abgehakt wird, und die Notgepäck-Liste zeigt, was davon zusätzlich in den Rucksack gehört. Alles liegt auf deinem Gerät, ohne Konto und ohne Netz, also auch dann, wenn nur noch das Radio läuft.

Quellen

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