Am Donnerstag, dem 10. September 2026, um 11 Uhr schlagen in Deutschland die Handys Alarm, Radiosender unterbrechen ihr Programm, und wo es noch Sirenen gibt, heulen sie. Gegen 11:45 Uhr folgt die Entwarnung. Das ist der bundesweite Warntag, eine Übung, bei der du nichts tun musst. Es ist aber die eine Gelegenheit im Jahr, kostenlos zu prüfen, ob dich eine echte Warnung überhaupt erreichen würde. Hier steht, was an dem Tag ausgelöst wird, was die Signale bedeuten und was du dabei kontrollieren solltest.
Was um 11 Uhr genau ausgelöst wird
Die Probewarnung geht vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) über das Modulare Warnsystem des Bundes an alle angeschlossenen Warnmittel gleichzeitig. Das sind:
- Cell Broadcast auf alle Handys, die in einer deutschen Funkzelle eingebucht sind.
- Warn-Apps wie NINA, KATWARN und BIWAPP.
- Radio und Fernsehen, die die Meldung einblenden oder verlesen.
- Digitale Stadtinformationstafeln und Anzeigen im Nahverkehr.
- Sirenen und Lautsprecherwagen, allerdings nur dort, wo Kommunen mitmachen. Die Teilnahme ist freiwillig, und viele Städte haben ihre Sirenen in den Neunzigern abgebaut. Seit 2021 werden wieder welche aufgestellt.
Der Warntag findet seit 2020 statt, in der Regel am zweiten Donnerstag im September. Sein Zweck ist technisch: Der Bund prüft, ob die Kette vom Lagezentrum bis zum Handy funktioniert, und die Bevölkerung soll die Signale einmal gehört haben, bevor sie sie im Ernstfall hört.
Cell Broadcast: die Warnung, die keine App braucht
Cell Broadcast ist seit Februar 2023 in Deutschland im Regelbetrieb und die wichtigste Neuerung der letzten Jahre. Die Warnung wird nicht an Telefonnummern geschickt, sondern von den Funkmasten an alle Geräte in der Zelle gesendet, so wie ein Radiosender. Dadurch braucht sie keine App, keine Registrierung, keine mobile Datenverbindung, und sie kommt auch an, wenn das Netz von Anrufen überlastet ist. Niemand erfährt dabei, wer die Warnung bekommen hat; die Sender kennen keine Empfänger.
Damit sie ankommt, muss das Handy eingeschaltet sein, darf nicht im Flugmodus sein und braucht ein einigermaßen aktuelles Betriebssystem. Die Warnstufen lassen sich in den Einstellungen sehen: auf dem iPhone unter Mitteilungen ganz unten, auf Android unter Sicherheit und Notfall oder Notfallwarnungen. Die höchste Stufe lässt sich nicht abschalten, die niedrigeren und die Testwarnungen schon. Wer am Warntag nichts hört, prüft zuerst genau dort.
NINA, KATWARN oder Cell Broadcast?
| Warnmittel | Erreicht | Braucht | Stärke |
|---|---|---|---|
| Cell Broadcast | Alle Handys in der betroffenen Funkzelle | Nichts außer Netz und eingeschaltetem Handy | Erreicht auch Gäste, Touristen, Menschen ohne App. Kurzer Text, keine Karte. |
| NINA (BBK) | Nutzer der App, für gewählte Orte oder den Standort | App, Internet, Ortsauswahl | Ausführlicher Text, Karte, Handlungsempfehlungen, auch Wetter- und Hochwasserwarnungen. |
| KATWARN | Nutzer der App, je nach Kommune | App, Internet | Manche Landkreise warnen bevorzugt hierüber; NINA übernimmt die Meldungen meist. |
| Sirene | Wer sie hört | Nichts | Weckt nachts. Sagt aber nur „Achtung", nicht, was los ist. |
| Radio (UKW) | Wer ein Radio hat | Batterien oder Kurbel | Funktioniert, wenn Strom und Mobilfunk ausgefallen sind. Der Kurbelradio-Beitrag erklärt, worauf es ankommt. |
Die sinnvolle Kombination ist Cell Broadcast plus eine App, und für die App genügt NINA. Sie weckt dich, und sie sagt dir, was zu tun ist; Cell Broadcast allein sagt nur, dass etwas ist.
Sirenensignale: zwei Töne, die man kennen sollte
- Warnung: ein auf- und abschwellender Heulton, eine Minute lang. Bedeutet: Fenster und Türen schließen, Radio oder Warn-App einschalten, auf Durchsagen achten. Nicht: losfahren, Kinder aus der Schule holen, Nachbarn anrufen.
- Entwarnung: ein Dauerton, eine Minute lang. Die Gefahr ist vorbei.
Ein dritter Ton, dreimal ein kurzer Dauerton mit Pausen dazwischen, ist die Alarmierung der Feuerwehr und richtet sich nicht an dich. Manche Kommunen nutzen zusätzlich Sprachdurchsagen über die Sirene. Was genau bei dir vor Ort gilt, steht auf der Seite deiner Stadt oder deines Landkreises; am Warntag hörst du es.
Was du am Warntag prüfen solltest
Elf Uhr an einem Donnerstag ist eine schlechte Zeit für Übungen, weil die meisten arbeiten. Trotzdem lohnt es sich, fünf Dinge zu klären, und die meisten davon gehen von jedem Ort aus:
- Kommt die Warnung auf dem Handy an? Auf jedem Gerät im Haushalt, auch auf dem der Kinder und der Großeltern. Wenn nicht: Einstellungen prüfen, Betriebssystem aktualisieren, Flugmodus aus.
- Findet das Notfallradio den richtigen Sender? Der regionale öffentlich-rechtliche Sender ist der, der im Ernstfall die Lage für deinen Landkreis bringt. Frequenz notieren und auf das Radio kleben.
- Hört ihr die Sirene? Wenn ja: Wo steht sie, und ist sie bei geschlossenem Fenster noch zu hören? Wenn nein: Dann seid ihr auf Handy und Radio angewiesen, und das ist gut zu wissen.
- Wissen alle, was der Ton bedeutet? Kindern den Heulton einmal erklären, damit sie ihn im Ernstfall einordnen. Das ist die eigentliche Übung.
- Steht der Familienplan? Wer holt wen, wo trefft ihr euch, wenn das Netz weg ist, und steht das auf Papier? Ein Zettel im Portemonnaie ist die Rückfallebene, wenn das Handy leer ist.
Wenn das Handy stumm bleibt
Die häufigsten Gründe sind unspektakulär: Flugmodus, ein Gerät im Funkloch, ein altes Betriebssystem ohne Cell-Broadcast-Unterstützung, oder die Warnstufen wurden irgendwann abgestellt. Prüfe die Einstellungen, aktualisiere das System und schalte die Testwarnungen ein; dann bekommst du auch die nächste Probewarnung. Bleibt es stumm, ist das Gerät für Warnungen ungeeignet, und dann ist die App die Antwort, nicht ein neues Handy. NINA läuft auch auf älteren Geräten.
Und wenn es einmal echt ist
Eine Warnung ist Information, keine Aufforderung zur Flucht. Die Meldung sagt, was passiert ist, wo, und was zu tun ist; das liest du zu Ende, bevor du etwas tust. Meist lautet die Antwort: drinnen bleiben, Fenster zu, Radio an, Nachbarn informieren. Alles Weitere hängt davon ab, was du vorher vorbereitet hast. Der Notfall-Bereich in Keepilo hält dafür den Notfallplan, die Notfallkontakte und die Checklisten bereit, offline und ohne Konto, und die Bibliothek beantwortet Fragen auch dann, wenn das Netz nach der Warnung zusammenbricht. Der Warntag ist der Tag, an dem du das einmal durchspielst, solange es noch eine Übung ist.